100 Stunden ICARUS | Ein Fazit zum Survival Game von RocketWerkz

ICARUS | Sitzungsbasiertes PVE, Terraforming, Orbit, Wildnis, Bären, Wölfe, Koop und Co. | Viel Kritik an Rocketwerkz

100 Stunden ICARUS
game-ing.de | 19.01.2022

Die Macher von ICARUS standen im Prinzip von Release an in der Kritik, teils berechtigt, vielleicht aber auch wegen der Vergangenheit bzw. des Erbes von Dean Hall. Ich muss gestehen, dass ich die Prerelease Phase bis auf das erste Wochenende komplett ausgelassen habe. Die Gründe dafür waren vielschichtig:

1. Survival, Basebau, Sitzungsbasiert passen meiner Meinung nach nicht zusammen.
2. Ich rushe ungern durch ein Game, lasse mir lieber Zeit, liebe das Erforschen, das Survival, Exploration, alles kennenzulernen. Die Zeitbegrenzung der Missionen in Echtzeit hat mich zum Start ziemlich am Game zweifeln lassen.
3. Es war am Anfang schon ziemlich hart, ein sehr anspruchsvolles Game. Eigentlich mag ich die Herausforderung, ich möchte mich aber darauf einstellen können, und das gerne ohne zeitliche Limits. Eine ähnliche Erfahrung hatte ich bei The Forest, auch dort kam ich nicht mit der KI klar, ich hab mich dann aber durchgebissen und inzwischen liebe ich das Spiel.

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100 Stunden ICARUS: Der Umgang mit dem Sitzungsbasierten Gamplay, der Herausforderung, der Wildnis und dem Wetter

Nach dem offiziellen Release habe ich mich dann nochmals rangetraut, die Kritikpunkte der Community bleiben berechtigt, die Zeitbegrenzung der Missionen bleibt, aber ich habe mich arrangiert. Die Grafik ist und war von Beginn an gut, die Performance ist weiterhin verbesserungswürdig, mein Ziel war es, aus dem ständigen Neustart der Missionen das beste herauszukitzeln. Und ich muss gestehen, ich fühle mich wohl. Ich sehe ICARUS nicht mehr nur als Survival Game, ich sehe es als Strategiespiel. Denn Strategie ist der Schlüssel zum Erfolg. Von einer Idee, wie man eine Mission am besten/schnellsten schafft, bis zur Umsetzung: Es gibt immer etwas, was man besser machen kann. Auch wenn die Base immer neu gebaut werden muss, es macht irgendwie Spaß, denn die Base sieht jedes Mal anders aus, angepasst an die Mission, die Umgebung, die Wildnis, das Wetter, das Biom. 

Ich sehe das Spiel inzwischen aus einem anderen Blickwinkel, sehe noch einiges an Verbesserungsbedarf, aber definitiv keine 62% in der Steam-Bewertung. Ich denke dort gibt es einiges an Frust, andere Vorstellungen, ansonsten ist die Bewertung schwer zu erklären. Was von der Kritik sicherlich berechtigt ist, das ist die Tatsache, dass zwischen dem Prerelease und Release nicht besonders viel bekannte Bugs behoben wurden. 100% Zustimmung. Zum Thema Glitches kann ich wenig sagen, was bei mir durch den Boden glitcht sind Pfeile und Holz beim Fällen von Bäumen. Gerade bei Bäumen passiert es eigentlich regelmäßig, dass 1-2 Holz im Boden versinken. Ärgerlich, für mich aber jetzt nicht entscheidend. Auch die verlorenenen Pfeile nerven manchmal, da das Craften von Knochenpfeilen als Beispiel nicht besonders Ressourcen-Intensiv ist, fällt es für mich nicht ins Gewicht. Ärgerlich im Kampf ist das festbuggen des Chars, was man aber nach einiger Zeit relativ gut in den Griff kriegt. Zu 90% passiert es mir zwischen den kleinen Bäumchen (Stick-Bäume), ist man im Kampf gerade gegen Bären sollte man eben schnellstmöglich eine Freifläche finden. In 2-3 Fällen hat es meinen Char in einer Höhle zwischen den Steinen erwischt, man spawnt dann außerhalb der Höhle, für mich nicht extrem nervig.

Viel Kritik gab es zu den Wetterphänomenen, den vielen Wölfen, Bären etc. Und ja, das Theme Bären hat mich auch zum pausieren gebracht, bis ich mich ein wenig damit beschäftigt habe. In der zweiten Mission schon auf einen Eisbären zu treffen hat mich allerdings schon gewundert, gerade weil der im Waldbiom herumgegeistert ist. Aber ganz ehrlich, wer sich ein wenig mit der Materie beschäftigt, wird keine Probleme mehr mit den genannten Tieren haben. Es existieren auch diverse Videos, wo man sich Tipps holen kann. Nicht alles muss man umsetzen, aber einiges ist mehr als hilfreich. Kritik an den Wetterphänomenen lasse ich nicht gelten, auch dort gibt es diverse Möglichkeiten, dem Wetter zu entgehen, auch oder gerade am Anfang. Ganz ehrlich, das Wettersystem ist ein Grund dafür, warum ich das Spiel zum jetzigen Zeitpunkt mindestens bei 70% Empfehlungsrate bei Steam sehe. Es ist extrem realistisch, es macht Spaß, es ist eine Herausforderung der anderen Art.

Quelle: Screen Ingame
Quelle: Screen Ingame
Quelle: Screen Ingame
100 Stunden ICARUS: Technikbaum, Talentebaum, Shopping im Orbit und Strategie

Warum habe ich meine Meinung nach einigen Stunden Spielzeit geändert? Was macht das Game ICARUS aus? Tja, man muss sich wirklich mal mit den Games beschäftigen, die man spielt. Das mache ich immer, achte auf jeden kleinen Punkt im Game. ICARUS bietet eine Menge Strategie, neben Talentbaum, Technikbaum und Shoppingcenter geht es auch um die richtige Base zum richtigen Zeitpunkt, um die Wahl der richtigen Handwerksstationen in einer Mission, die richtigen Waffen und Werkzeuge, und natürlich um die Vorzüge einer gut durchdachten Planung der Vorgehensweise. Man hat keine dauerhafte Base, man sieht nur einen Text, ein oder mehrere Ziele, und daraus muss man erahnen, wie man möglichst effektiv die Mission angeht. Ich bin mit Level 15 in die Mission „Supply Stockpile“ gegangen, 250 Punkte, die muss man mitnehmen. Wie sich herausgestellt hat, ein schwerer Fehler. Das einzige was ich erforscht hatte waren die Beete, alles andere natürlich nicht. Und so musste ich improvisieren, es hat länger gedauert als geplant, und es war nicht das, was ich erwartet hatte. Trotzdem habe ich die Herausforderung angenommen, hab mich durchgekämpft. Und genau das hat mir eine Menge Spaß gemacht. Die Mission hat mir 6 Level eingebracht, was bedeutet, ich konnte nach und nach gewisse wichtige Dinge im Technikbaum freischalten. 

Fehler Nummer 1 war, die Base am Raumschiff aufzubauen, Fehler Nummer 2 war die richtige Einschätzung der Entfernung (Begonnen habe ich mit dem Sammeln der Früchte, nebenbei aber schon Fleisch gebraten für den zweiten Teil der Mission). Fehler Nummer 3 war eine viel zu kleine Base für die Anzahl der Beete, die man benötigt. Als erstes habe ich gesammelt wie ein Weltmeister, bis ich bemerkte, dass das nicht zu schaffen ist. Base umgezogen, zu klein. Fleisch wie ein Weltmeister gebraten, bis ich gemerkt habe, dass ich zum 2. Entladepunkt 1 Tag Fussmarsch hatte (plus Rückweg, also 2 Tage). Man denkt sich also wie es wäre, die Mission später nochmals zu machen (Kühlschrank erforschen etc.). Ich habe es aber durchgezogen, mehr als kompliziert, aber man lernt aus seinen Fehlern und hat den Drang, diese Mission auf jeden Fall ein zweites Mal anzugehen. Das ist Strategie, das macht Spaß. Mich stört inzwischen auch nicht mehr, jedes mal eine weitere Base aufbauen zu müssen, es ist jedes Mal eine neue Situation, an der man seinen Spaß hat, sie zu meistern.

Auch beim Talentebaum habe ich Fehler gemacht, in jedem Survival Game geht es darum, so schnell wie möglich seine Ausdauer zu pushen. Ich denke, hier sind andere Punkte wichtiger. Eine Herausforderung, sich neu zu orientieren, sich anzupassen. Das mag ich. Es ist nicht das X te Game auf dem Survival Markt, wo man schon vorher weiß, was eigentlich wichtig ist. Und, es geht auch ohne Zombies. Weiterer Fehler von mir war das Shopping. Messer sind nützlich, also gekauft. Problem? Die gekauften Items kann man während einer Mission nicht reparieren. Fehlkauf, so zumindest meine derzeitige Einschätzung. Ich mag die Strategie, gerade in Verbindung mit dem Survival Genre, was ich vermitteln will ist, es gibt eine Menge zu erleben, eine Menge zu entdecken. Und, es geht auch ohne feste Base. Ich weiß schon heute, dass ich mindestens noch einmal mit einem neuen Char durchstarten werde, allein schon deswegen, weil ich anders skillen und shoppen würde.

100 Stunden ICARUS: Missionen, Taktik, Grinding und Biome

Die Missionen in ICARUS bilden eine Menge Abwechslung, in der Wüste bin ich noch nicht angekommen, ich freue mich aber riesig darauf. Es ist immer wieder spannend, was einen denn wirklich erwartet. Aus der Missionsbeschreibung ist wenig zu erkennen, was ich mehr als vernünftig finde. Wo baut man seine Base, wie groß muss sie sein, welche Craftingstationen brauche ich, welche Ressourcen finde ich genau und in welcher Menge. All das macht jede Mission zu einem Unikat, Kann man in Höhlen bauen, im Wasser? Wo ist der perfekte Standort, muss ich zwischendurch die Base umsetzen?

Das Maß aller Dinge in Survival Spielen ist oft das Grinding, sitzt man den ganzen Tag am Holz hacken und Ressourcen besorgen, wie gestaltet sich das. Es ist in ICARUS eine besondere Sache, da der Abbau der Ressourcen wirklich bis ins kleineste Detail animiert ist, Man klopft nicht 5 Mal auf einen Stein herum und danach ist er abgebaut. Kleinste Teile des Felsens verschwinden, man sucht nach den verbleibenden Steinresten, es macht deutlich mehr Fun als in vielen anderen Games. Es wird mir zumindest nicht langweilig, und ich bin gerne unterwegs zum Sammeln der Ressourcen. Gleiches gilt beim Holzhacken, wobei der Wind einem sehr oft sogar behilflich ist. Apropros  Wind, die Wettereffakte sind wie schon erwähnt mehr als realistisch dargestellt. Temperatur, Wind, Regen, Blitze und was nicht alles, die eigene Bewegungsfreiheit ist teilweise komplett eingeschränkt, riskiert man eine Vorabbase aus Holz, kann sie am nächsten tag schon verschwunden sein. Der Wald brennt nach Blitzeinschlag, man kann selbst Feuer entfachen (Taktik) und ja, man kann seine Base auch selbst unabsichtlich zerstören. Schon der Spaziergang zum nächsten See, zur Höhle, zum Raumschiff kann in einer Katastrophe enden.

Was ist jetzt genau die größte Herausforderung im Spiel? Meiner Meinung nach spielt das Wetter eine etwas größere Rolle als die Wildnis mit Ihren Tieren, und das ist spannend. Neue Biome stellen den Char vor komplett neue Herausforderungen, was in einem Biom funktioniert, kann im nächsten schon der totale Unsinn sein. Und so erlebt man jede Mission als neues Spiel, als neue taktische Herausforderung.

100 Stunden ICARUS: Was ich gerne von Rocketwerkz sehen würde.

Ganz so klar komme ich noch nicht mit dem Missionstimer, teilweise würde ich einfach gerne länger bleiben, würde mir eine Art Sandbox wünschen (Ja, gibt es), aber unter anderen Vorraussetzungen. Es gibt im Spiel ICARUS die Mission Außenposten, eigentlich eine gute Idee, aber einige Optionen fehlen mir. Im Außenposten kann man ohne Zeitdruck seine Base aufbauen, kann jagen, kann neues Equip, neue Items etc. testen. Soweit so gut. Was fehlt? Bären, Wölfe, Schweine, Mammuts, naja, die gefährliche Tierwelt eben. Ebenso fehlen Wettereffekte (zumindest hatte ich keine bis zum heutigen Zeitpunkt). Bitte schaltet derartiges frei, sei es in einem neuen Außenposten, in den Einstellungen oder was auch immer. Es geht ja nicht nur darum, dass man eine Base baut, es geht ja auch darum zu sehen, was neue Items, Craftingstationen etc. bringen. Es geht auch um ein wenig Abwechslung, wenn man kurz vorm Urlaub mal eine schnelle Runde ICARUS zocken möchte, die mit dem Missionstimer nach dem Urlaub nicht mehr vorhanden ist. Es ist ja auch manchmal so, dass einem die Zeit fehlt, dass ein anderes, neues Game dazwischenkommt, es gibt genug Gründe. Vielen Dank.

Die zweite Sache betrifft die Balance einiger Craftingstationen, gerade in der oben genannten Mission hatte ich zwischenzeitlich die Feuerstelle freigeschaltet. Viel Fleisch, schnell braten? Denkste. Ja, es ging ein wenig schneller, das rohe Fleisch wurde aber trotzdem nur aus dem ersten Slot gezogen, einen großartigen Vorteil konnte ich nicht erkennen da z.B. das Fleisch im zweiten Slot nach und nach verdirbt (wenn man nicht ständig das Fleisch verschiebt). Für eine Feuerstelle kann ich 4-5 Lagerfeuer bauen, was mir deutlich mehr bringt als einen Windgeschützen Ofen, der eh in der Base steht. Hat man keinen Platz in der Base, kann man die Lagerfeuer auch in einem Stein platzieren, hat den gleichen Effekt.  Es gibt noch den Vorteil der Wärme, der im Waldbiom eher Nachteile mit sich bringt. Im Eis reicht zum Aufwärmen auch ein Lagerfeuer. Daher, entweder Kosten senken oder neues Feature implementieren, in der Form ist die Feuerstelle eigentlich Unsinn. Und das gilt auch für andere Craftingstationen. Hier wäre es schön, wenn man noch einen zweiten Blick auf die Balance wirft.

100 Stunden ICARUS: Mein Fazit

ICARUS ist nicht so schlecht wie es derzeit bei Steam rüberkommt. Ich sehe ICARUS irgendwo bei 70-75% Weiterempfehlungsrate, es gibt definitiv Luft nach oben, und auch wenn es eine fertige Version darstellen soll, es muss noch etwas getan werden. Vieles spricht aus meiner Sicht aber für ICARUS, die Gründe habe ich alle genannt. Dran bleiben, das Spiel hat jede Menge Potenzial!