Romans: Age of Caesar Review | Der Daumen geht runter

Wie bei Stronghold werden Multiaccounts geduldet, schon jetzt lebt das Spiel nur von diesen Multis

Stronghold, Stronghold Kingdoms, alles Spiele der Firefly Studios.  Im neuesten MMO hatte man die Hoffnung, dass es besser wird. Leider habe ich die Hoffnung bereits nach 3 Wochen aufgegeben, dafür gesorgt hat der Chef persönlich.

Ich beurteile Spiele erst nach einer gewissen Zeit, um mir persönlich ein Bild zu machen. Nach 3 Wochen Beta Spielzeit und den Erfahrungen aus 1 1/2 Jahren Alpha darf ich mir erlauben, zumindest die Punkte anzusprechen, die seit jeher Teil der Stronghold Serie sind und scheinbar bleiben. Multiaccounts.

Wer wie immer in die offiziellen Regeln schaut, der findet Discord-Regeln, Regeln zum allgemeinen Umgang miteinander, alles fein. Dazu kommen die uralten Regeln zum Thema Multiaccounts: Multis sind böse, ausser sie geben Geld aus.

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Firefly lernt auch in Romans: Age of Caesar nicht aus den Fehlern der Vergangenheit.

Etwas neues erzähle ich damit nicht, Firefly hat schon immer Regeln, Zusatzregeln und Sonderregeln. Dazu kommen dann beliebte Spieler irgendwelcher Stronghold-Teile, die noch einmal bevorzugt behandelt werden. Soweit so gut. In Romans: Age of Caesar war von Beginn an wenig Begeisterung vorhanden, tummelten sich doch maximal 250 Spieler in den Alphas. Mit dabei waren von Beginn an die Alpha-Tiere, eine Gattung, die nichts mit einer Alpha an sich zu tun hat. Man beschenkt sich also gegenseitig und die Hinweise, dass eben genau diese Spieler mit ihren Multi-Accounts bereits in Alpha-Zeiten negativ aufgefallen waren, wurden durch die Führungsriege der Firefly Studios immer bestens behandelt. Auch auf meine Frage hin, inwieweit das Thema Multiaccounting in der Beta anders behandelt wird als in der Alpha, bekam ich vom Chef-Juror eine absolut einleuchtende Erklärung: „Wir werden Multis in der Alpha nicht bannen, da wir unsere Zeit mit der Entwicklung des Spiels verbringen wollen.“ Super, Jungs! Habt ihr gut gemacht. 

Angekommen in der Beta sah man von vornherein die üblichen Verdächtigen, naja, man muss ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, war so mein Gedanke. Zunächst einmal wurden die richtigen 3 Kandidaten zu Mentoren im Discord ernannt. Mentoren? Ja, mir ist auch gleich übel geworden, aber was solls. Wir spielen ein Spiel, und so hat jeder Wichtel schonmal seine eigene Tanne. Romans: Age of Caesar wurde von Beginn an als kooperative City-Simulation angepriesen, und so kooperiert eben jeder Multi mit sich selbst.  Gelogen hat Firefly also nicht, viel mehr wundert es einen, dass sie dennoch Regeln einführen. Mal abgesehen davon, dass Romans: Age of Caesar schon jetzt auf einem absteigenden Ast sitzt und sicherlich nicht mit 500 Accounts geplant hat, von denen gefühlt 30-40% schon nach 1-2 Tagen die Nase voll hatten. Man gehtnoch einen Schritt weiter und treibt genau die aus dem Spiel, die von Beginn dabei waren. Um es vorwegzunehmen, ich habe heute meinen Account bei Romans: Age of Caesar löschen lassen. Man kann sich noch weitere 1-2 Monate mit diesem MMMAG (Massively Multiplayer MultiAccount Game) beschäftigen, da ich aber gerne fähige Entwickler unterstütze, da ich auch sehr ziestrebig bin, habe ich den einen oder anderen Cent bereits ausgegeben und würde natürlich gerne noch mehr ausgeben.  Aber bei aller Liebe, ich werde ganz sicherlich nichts kaufen wenn ich trotzdem nur Nachteile dadurch habe. Multis sei dank.

Firefly Studios, Discord Server
Romans Age of Caesar - Gameplay und warum es keinen Sinn macht, einen Cent zu bezahlen

Der Punkt, warum Multis hier das Spiel kaputt machen liegt einfach in der Mechanik des Spiels. Für einen Kampf braucht man taktische Punkte, damit kann oder sollte man die Befestigungsanlagen des Gegners zerstören, bevor man mit seinen Legionen rein marschiert. Zum einen bedeutet es weniger Verluste, zum anderen kann eine gut aufgebaute Verteidigung auch den kompletten Angriff aufhalten, ohne dass der Angreifer bis zum Legate vordringt. Auf der Map wie auch in den Städten werden die kämpfe simuliert, man geht also auf Angriff, währenddessen kann der Gegner mich nicht angreifen. Das bedeutet wiederum, wer am schnellsten klickt, mahlt zuerst. Sind die maximal 3 Minuten des Kampfes vorbei, haben beide Parteien wieder die Chance, sich gegenseitig anzugreifen.

 

In diesem Fall war es so, dass 3 gegnerische Legionen auf mich trafen, mindestens 2 davon von einem einzigen Spieler bespielt. Ich muss also mit 20 taktischen Punkten versuchen, alle 3 Legionen zu besiegen. Der Gegner hat in dem Fall logischerweise 3×20 taktische Punkte zur Verfügung. Anscheinend war ich 3 Mal sehr schnell beim klicken, sodass ich auf alle 3 Legionen den ersten Schlag ausführen konnte. Die ersten beiden Legionen waren nach einem Kampf Geschichte, die dritte konnte ich nicht komplett erwischen. Demzufolge ging der nächste Schlag vom Gegner auf mich mit einer Niederlage zu Ende.

 

Wenn das 3 Spieler gewesen wären, okay, kann ich mit leben, es war halt eine Übermacht. Wenn aber davon mindestens ein Multi-Account dabei war, dann sage ich mir: Danke, hat Spaß gemacht das Spiel zu spielen. Natürlich nur dann, wenn nichts gegen Multiaccounts unternommen wird, was hier der Fall ist.

Spielen wir hier wirklich ein Spiel?

Anderes Beispiel ist das Thema Landmarken bei Romans Age of Caesar, Landmarken kann man mit imperialen Punkten erobern und auch verteidigen. Imperiale Punkte kann man sich nicht erkaufen, jeder Spieler bzw. jeder Account bekommt am Tag eine gewisse Menge an Imperialen Punkten. Kostet die Eroberung einer Landmarke also 20 Punkte, ich habe 28 zur Verfügung, dann hat ein Multi mit 2 Accounts im Idealfall und bei gleichem Level und Ausbau 56 Punkte. Erobere ich also eine Landmarke, dann kann ich 8 Punkte in die Verteidigung stecken, der Multi 36. Hat er sie also erobert, komme ich mit vollen 28 Punkten nicht mehr dazu, sie zu erobern. Einfach dargestelltes Szenario, was aber zeigt, welchen Einfluss man im Spiel mit 2 oder mehr Accounts hat.

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Komme ich noch mal auf den Kauf von Ingame-Währung zurück, so kann ich mir per Zufall zwar taktische Punkte kaufen (Zufall, da die Karten unterschiedlich oft vertreten sind), Imperiale Punkte aber nicht. Damit beantwortet sich auch die Frage, warum ich denn bitte Ingame-Währung in einem Spiel kaufen soll, obwohl der Einfluss von Multiaccounts damit gar nicht ausgeglichen werden kann? Das Firefly nicht selbst auf die Idee kommt, sich damit die eigenen Einnahmen zu klauen, verstehen vielleicht andere, ich nicht. Wie in jedem Spiel beginnt der Untergang nämlich mit dem Beschiss, je mehr Leute mit solchen Methoden spielen, umso geringer wird der Anteil derer, die dann noch für den Unsinn zahlen.

 

Weiterer Grund, warum das Spiel schon jetzt den Bach runter geht ist, dass die ersten Accounts zumindest im Discord wegen Beleidigungen und ähnlichen Vorkommnissen gesperrt wurden. Eigentlich ein guter Anfang, man sollte dann aber bitte auch jeden sperren und nicht dort eine Ausnahme machen, wo die Mentoren des Discord-Servers selbst auch beleidigen, sogar im Spiel. Aus unserem Haus wurde mir mindestens eine derartige Mail weitergeleitet, passiert ist nichts.

 

Beleidigungen, Bashing, all das hat nichts in einem Spiel zu suchen, eigentlich hat es nirgendwo etwas zu suchen. Wie kann man denn bitte als Betreiber Ausnahmen machen, wenn es um derartige Themen geht? Entweder man steht zu seinen Regeln, man steht dazu, dass solche Spieler generell nichts in einem Spiel oder Forum zu suchen haben, oder man lässt es von Anfang an bleiben und sieht zu, wie die Anarchie um sich greift. Wenn man derartiges anspricht, und dann wegen Unruhestiftung verwarnt wird, spätestens dann weiß jeder, dass irgendetwas faul ist. Und in diesem Spiel ist vieles faul.

Romans: Age of Caesar - Mein persönliches Fazit

Das Spiel ist durchaus gelungen, es muss aber noch viel gemacht werden, das PVP ist derzeit  nicht ausbalanciert und durch einen Patch am 29.09.21 wurde es dramatisch zugunsten zahlender Kundschaft entwertet. Es fehlen noch diverse Gebäude innerhalb der Stadt, der Sinn oder Unsinn von Stadt, Allianz und Haus als Kernkomponenten gemeinsamen Spielens ist weiterhin vollkommen unklar. Für die Kommunikation innerhalb der Stadt gibt es einen Chat, ansonsten PNs.

 

Kommunikation innerhalb der Allianz ist nur über PNs möglich, weshalb ein eigener Discord-Server unausweichlich ist. Beschreibungen und Infos zu Allianzen und Häusern gibt es nicht, gleiches gilt für die Städte. Stadt- und Allianzmanagement sind kaum vorhanden, auch die Freigabe neuer Regionen zum Besiedeln ist derzeit schlecht geregelt, da es willkürlich geschieht. Tooltips fehlen an allen Ecken und Enden, die Fragen waren immer die gleichen. Auch weitere Sprachen werden wohl bis auf weiteres nicht zu erwarten sein.

 

All das ist sicherlich kein Problem, da sich das Spiel weiterhin in der Entwicklung befindet. Derzeit ist ein Server geöffnet, bei Bedarf werden sicherlich weitere dazu kommen. Macht Firefly dort weiter, wo sie bei Stronghold aufgehört haben, wird aber wohl kein weiterer Server benötigt. Kritik am Umgang mit Multiaccounts gibt es seit Jahren, und das nicht unbegründet. Gerade in einem taktischen Aufbau- Strategiespiel, wo man mit mehreren Accounts deutliche Vorteile hat, muss eine klare Linie gegen diese Spieler gefahren werden. Das ist nach aktuellem Stand nicht gewollt und wird sich scheinbar auch in Zukunft nicht ändern. Damit macht es aber auch keinen Sinn, Geld in das Spiel zu stecken.